Alles, was ich heute mir zu schreiben vornahm, haben bereits andere geschrieben. Sowieso der Hinweis der taz: Es gebe inzwischen zu viele überflüssige Corona-Tagebücher. Ich stellte ich mir schon am 24.03. die selbstkritische Frage. Ob die dort gefundenen Antworten überzeugen – insbesondere jene, die behauptet, es sei weniger für’s Jetzt, denn mehr für meine Kinder später einmal zum Nachlesen?

Statt weiterer Über-Selbst-Produktion daher heute schlicht zwei quasi komplizenhafte Artikel-Empfehlungen. Nicht zu anderen Corona-Tagebüchern – die nämlich schaffe ich nicht auch noch zu lesen. Sondern zu zwei Meinungsbeiträgen, die in etwa das aussprechen, was ich sonst selbst geschrieben hätte. In beiden Fällen geht es um Kinder, diesseits wie jenseits unserer Grenzen.

Kinder wie ihr, meine beiden Jungs. Man hofft, dass ihr einmal nicht selbst solche 55+Männer werdet wie jene, die heute über euch Aussagen (wie jene der Leopoldina) und Entscheidungen treffen. Dass auch ihr Wirtschaftsinteressen und Wählerfixierung vor die basalste Mit-Menschlichkeit stellt. Dass ihr noch immer keine Ahnung habt, was unbezahlte Care-Arbeit und Geschlechtergerechtigkeit ist. Sondern wie Barbara Vorsamer auf sueddeutsche.de fragt: Und was ist mit den Kleinen?

Was jetzt an Home-Schooling, Home-Kita, Home-Office, Home-Urlaub neben Home-Homing alles übergangslos auf einer gemeinsamen Grundfläche gleichzeitig passiert, so notwendig es auch sein mag: Es geht zunehmend an die Substanz aller Beteiligten. Insbesondere die Alleinerziehenden und Abgehängten, denen es sowohl an Zeit auch als Quadratmetern mangelt, sie dürfen gerade die Versäumnisse unserer Sozialpolitik ausbaden. Wo bleibt das Hilfspaket Heimbetreuung?

Wenn das die nächsten Tage und Wochen hier noch so weiter gehen wird, liebe Kinder, versprecht mir: Dass all die lagerkollernden Frustrationen, Streitereien und Tränen für eines gut waren: dass ihr aus unseren Fehlern wie unzulänglichen Versuchen, uns aus überkommenen Strukturen freizuschaufeln, lernt, euch die Welt ein klein wenig fairer und empathischer einzurichten. Sodass auch ihr wie Mely Kiyak auf zeit.de im Hinblick auf die Kinder »der anderen« findet: 50 ist keine Zahl.

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