Vom V wie Vau Weh (4) – Chronik der Coronatage (34): Freitag, 29.05.2020

VERZÖGERUNGEN: Da unverhofft die Theater unter Auflagen seit Kurzem wieder öffnen können, weil VERSAMMLUNGEN zumindest in geringem Maße und unter Einhaltung der Abstandsregeln wieder möglich sind, ist für unser Theaterfestival so VIEL zu tun und zu klären, dass ich kaum noch dazu komme, hier etwas einzutragen. Auch läppert sich das Thema insgesamt allmählich aus. Wiewohl sich vor 14 Tagen noch ein rascher Anstieg der Infektionen aufgrund der Lockerungsmaßnahmen...

Von der CORONAPO – Chronik der Coronatage (31): Montag, 11.05.2020

Ich hatte das ja schon für den ersten Mai befürchtet, nun ist es letzten Samstag passiert. Ausgerechnet am »Tag der Befreiung«, ausgerechnet nach den doch überraschend weitgehenden Lockerungsmaßnahmen, die Mitte der Woche beschlossen worden waren, bildet sich nun in mehren Städten eine Art Querfront gegen die merkelsche »Corona-Diktatur«. Befeuert wird, was Medien bereits als »Bewegung« schon wieder teilweise unnötig größerstilisieren, nicht nur von den üblichen Zweiflern, Alternativwisenschaftlern, Pegidianern,...

Von der Vermisstenanzeige der zweiten Kultur – Chronik der Coronatage (30): Dienstag, 05.05.2020

Germanisten oder andere Literaturtheoretiker müssten nun Corona-Narrative untersuchen. Wo sind die Germanisten und Romanistinnen in den Talkshows, die uns erklären, warum in Frankreich eine Kriegsrhetorik funktioniert, während unser Bundespräsident Erfolg damit hat, Emmanuel Macron zu widersprechen und zu betonen, wir befänden uns eben gerade nicht im Krieg? Wo sind sie, wenn die Virologen ihre Zahlen feilbieten? Wo sind sie, wenn die Politiker ihre Massnahmen verkünden?Markus Gabriel in der...

Von den Virusworthülsen (2) – Chronik der Coronatage (27): Mittwoch, 22.04.2020

»The word ist now a Virus«, schrieb einst William S. Burroughs vor knapp 80 Jahren, in Quasi-Vorwegnahme des Internet-Mems. »The flu virus may have once been a healthy lung cell. It is now a parasitic organism that invades and damages the central nervous system. Modern man has lost the option of silence. Try halting sub-vocal speech. Try to achieve even ten seconds of inner silence. You will encounter...

Von Unkultur und Trotzkultur – Chronik der Coronatage (24): Donnerstag, 16.04.2020

Die gestrigen Aussagen zu den ersten Corona-»Lockerungsübungen« belegen leider, auch Dank Leopoldina, dass auch die Sorgen und Nöte, damit zugleich auch die tröstenden, sinnstiftenden, verbindenden Funktionen der Kulturbranche aktuell komplett vom Radar der Relevanz verschwunden sind. Leider macht das Virus nun auch ein Wort Heiner Müllers wahr, der dieses aber als Selbstkritik wie potentielle Streikform verstanden wissen wollte: EINZIGE MÖGLICHKEIT HERAUSZUFINDEN WAS EINE ANTWORT SEIN KÖNNTE DARAUF ALLE...

Vom Mit-Kindern-Sein – Chronik der Coronatage (23): Mittwoch, 15.04.2020

Alles, was ich heute mir zu schreiben vornahm, haben bereits andere geschrieben. Sowieso der Hinweis der taz: Es gebe inzwischen zu viele überflüssige Corona-Tagebücher. Ich stellte ich mir schon am 24.03. die selbstkritische Frage. Ob die dort gefundenen Antworten überzeugen – insbesondere jene, die behauptet, es sei weniger für’s Jetzt, denn mehr für meine Kinder später einmal zum Nachlesen? Statt weiterer Über-Selbst-Produktion daher heute schlicht zwei quasi komplizenhafte...

Von der Pessachbotschaft der Pandemie – Chronik der Coronatage (22): Sonntag, 12.04.2020

Dass es ausgerechnet eine weltweite Seuche ist, die jetzt einen der größten feuchten Träume des globalisierten Kapitals kompromisslos auslebt: maximal freie Bewegung für Waren bei maximal unfreier Bewegung von Menschen. Wiederauferstehung von Gesellschaft aus der Virusstarre, die mehr als bloße Rückkehr zum status quo ante, wirklich ein Auszug aus dem aktuellen Ägypten wäre: zuvor ein paar Wochen lang kompromisslos den Traum auch des maximalen Gegenteils ausgelebt zu haben.

Vom Euro-Bondage – Chronik der Coronatage (19): Samstag, 04.04.2020

Aktuelle Europa-Politik wird mit BDSM statt ESM plötzlich sehr anschaulich erzählbar: Eine Mehrheit will das unbedingt – funktionieren tut’s aber nur, wenn auch alle aus freien Stücken mitzumachen bereit sind. Man stelle sich die beteiligten Akteure vor: Politiker u.a. der »Eurogruppe«, polymorph-perverse Wirtschaftsweisen, bonierte Banker; all diese Leute mit Nadelstreifenanzug-Fetisch eben … Wer will hier gefesselt werden? Wer diszipliniert und schränkt die Bewegungsmöglichkeiten ein? Wer bellt Befehle? Wer...

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