Zunächst einmal bleibt zu attestieren, dass da etwas total schief gelaufen ist mit dem Internet. Da lagen Potentiale drin, aber es scheint mittlerweile komplett erfasst von der schnöden Logik des Kapitals, da scheint nur noch die schwarze Sonne der Langeweile. Vielleicht sollte man sich davon abwenden. Hans-Christian Dany: "In einer Utopie der Idioten sehe ich die größte Gefährdung für die kapitalistische Maschinerie" - TELEPOLIS
Das ist natürlich Rhetorik. Deshalb lasse ich das auch mal so unkommentiert zum Nachdenken stehen. Zumindest für Facebook kann ich aber sagen, dass es mich mal wieder im Finger juckt, meinen Account zu löschen. Einerseits, weil ich nach arbeitserzwungener Abstinenz im halten Jahr aktuell nicht so recht wieder reinfinde. Vielmehr sogar feststelle, dass ich es kaum vermisse und die wiedergewonnene Zeit anderweitig gut zu nutzen weiß. Und dann kam noch diese neueste Meldung von netzpolitik.org über die neuesten Änderung der Nutzungsbedingungen, die Nutzer endgültig zu Werbeträgern macht. Aber wahrscheinlich bleibe ich dann doch dabei. Wie ihr alle. Nachtrag am 06.09.:  Nun bezieht also auch Günther Grass Position:
„Ich wundere mich, dass nach diesen neuesten Erkenntnissen nicht Millionen Menschen von Facebook und all dem Scheißdreck distanzieren“.
Na, wenn der das sagt! Oder will er nur konservative Stimmen zur SPD locken? ... ;-) Den Regierungswechsel werden sie wohl trotzdem nicht schaffen ...

Festivalkater und finales Buchkämmen

Es ist geschafft! Ich leihe mir die Worte meiner Orga-Kollegin Julia Hansleimer: 13 Nationen, 66,871km Anreise aus aller Welt, 239 Gastkünstler (davon: 165 aus dem Ausland), 81 Veranstaltungen, 116.432 Telefon-Minuten, 10.745 Mails, 478,6 Liter Kaffee, 63 Versionen Grob-Dispo, 11 Korrekturfahnen Deckblatt Arbeitsbuch, 8.748 Blatt Papier, 42.500 Flyer, 367 kopierte CD/DVDs, 9 Tage Festival, durchnschnittlich 40h Schlaf ... Ich benötigte erstmal ein paar Tage, um in den Alltag zurückzufinden...

Eine schöne Nikolaus-Bescherung: Das Theater Trier scheint vorerst aus der Sparkurs-Schusslinie zu sein. Deutlich gestiegene Zuschauerzahlen der letzten Spielzeit haben das ermöglicht. Natürlich freut mich dabei besonders, das meine PHYSIKER einen gewissen Anteil daran gehabt zu haben scheinen:
Wobei freilich die durchaus unkonventionell inszenierten "Physiker" der eindeutige Favorit waren.
Ob man das schon als Beweis ansehen darf, dass "unkonventionelle" Inszenierungen an den sogenannten "Bühnen abseits der Zentren" (wie eine Kritikerkategorie der Deutschen Bühne lautet), zwischen
einem Publikumsgeschmack, der eindeutig mehr in Richtung Unterhaltung weist
trotzdem eine gute Auslastung (in dem Fall 88 Prozent) erreichen können, würde ich aber eher mit vorsichtigen Fragezeichen versehen wollen. Der gleiche "Unkonventionalität" hätte bei einem weniger bürgerlich-zugkräftigen Stück wahrscheinlich nicht so verfangen. Trotzdem schön, dass es zumindest so aussieht, als ob es ab und an  halbwegs gelänge
Das Publikum zum Risiko [zu] verführen
Denn den Trierern steht noch die Strukturanalyse ausgerechnet des Unternehmensberaters und "Kulturinfarkt"-Autors Dieter Haselbach Mitte des Jahres ins Haus. Da braucht es jedes gute Argument jenseits nackter Zahlen (die ja sowieso, siehe oben, nicht viel aussagen). Es sei denn, man zöge die neoliberal auch irgendwie folgerichtige Konsequenz, und verordnete dem Theater Trier: dann doch gleich nur noch "Unterhaltung" zu machen. Ob eine solche Risikofreiheit dann aber noch öffentlicher Subvention bedarf? In dem Fall dann die Steuergelder bitte dahin leiten, wo wirklich am Risiko gearbeitet wird: In die freie Szene! Aber noch liegt das Gutachten ja nicht vor. Das Ganze verspricht aber schon jetzt spannend zu werden - schließlich knüpft sich daran die grundätzliche Frage, welches Theater (und für wen) wir in der heutigen Wechselwettergesellschaft eigentlich wollen.
Ein Zitat des Soziologen Dirk Baecker, das ich heute in einem Interview las, beschäftigt mich schon den ganzen Morgen in meinen Überlegungen, wie das Theater noch stärker auf die Netzwerkgesellschaft reagieren und sich zu einem Internetheater wandeln müsste. Leider habe ich gerade keine Zeit, meine Gedanken dazu hier weiter auszuführen. Aber vielleicht mag ja jemand von euch da draußen stellvertrend heftig zustimmen oder widersprechen?
Die Performance greift tiefer und thematisiert die Lage des Individuums am Ende der Buchdruckgesellschaft und im Übergang zur Computergesellschaft. Es macht einen Unterschied, ob ich es mit Individuen zu tun habe, die sich im Umgang mit Büchern zu kritischen, wenn auch immer etwas idealistischen Lesern gebildet haben, oder mit Individuen, die mit ihren Suchmaschinenrecherchen, mit ihren social media accounts und mit ihren Abhängigkeiten von den Algorithmen ihrer Computerprogramme versuchen, ihrer eigenen Nervosität Herr zu werden, und dabei die Nervosität aller steigern. Die Performance ist in meinen Augen der radikale Blick auf das, was vom Menschen bleibt, wenn man ihn nicht aus den Kontexten heraus, in denen er sich bewegt, immer schon zu gut versteht. (...) Künstler notieren das Ende des kritischen Lesers und des authentischen Bürgers und suchen nach Bildern, Gesten und Tonfällen, die den Menschen als Chamäleon in den Netzwerken der Computergesellschaft kennzeichen. Dirk Baecker/Matthias Lilienthal/Tobi Müller: "Hoffnung auf Ereignishaftes in der Erwartungserfüllungsanstalt". In: Import Export. Arbeitsbuch zum HAU Berlin. Berlin: Verlag Theater der Zeit, 2012, S. 15f.

Kunstorte zu Kirchen – mit Ideenterrorismus

Warum der UNkreativwirtschaft mit ihrer unverhältnismäßigen Niedriglohnausbeutung nicht von unerwarteter Seite begegnen? Wenn wir das Netztheater wollen, müssen wir dann nicht auch jenes wollen, was ich kürzlich in des Postdramatikers Utopie hineinkommentierte? In der Tat schafft sich die Kunst ja wirklich selber ab, von zwei Seiten ämlich: Einmal, weil sie beinahe nur noch Ware ist (man lese dazu die feine Kunstkritik Wilfried Dickhoffs: “Das Zuvorkommende”). Und dann, weil...

UNverhältnismäßig?

Intendantengehälter vs. Normalvertrag Bühne - die kürzlich berichtete Erhöhung des Frankfurter Intendantensalärs, hoffentlich löst sie, wie hier auf Nachtkritik, eine längst fällige Debatte auch in der Breite aus. Vor allem gemeinsam mit dieser heutigen Meldung über 427 Euro Rente. Absurde Lohnspannen (anderswo nannte ich es UNkommen) sind nicht nur ein Bankenphänomen ... sondern eben die Auswüchse der UNkreativwirtschaft.

UNkreativwirtschaft

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Den heutigen Tag hat der Deutsche Kulturrat zum Aktionstag "Wert der Kreativität" erklärt. Deshalb ist es vielleicht noch eimal wert, daraufhin zu weisen, dass nicht so sehr die sogenannte "Kostenlosmentalität" der Netzgemeinde Kreativarbeiter immer stärker um ihre Verdienste prellt, sondern vielmehr die systemischen Abschöpfungsmechanismen von Arm zu Reich sich eben heutzutage immer mehr auf immaterielle Arbeit konzentrieren. (Kurze Werbeeinblendung: eben darum geht...

Back to Top