Der Bildchirmschein trübt: das Lesergedächtnis

Tja. Hatte die Universität Mainz 2011 noch in einer großen Studie die Vorurteile gegen des Lesen am Bildschirm widerlegt, kommt nun die Norwegische Universität Stavanger doch wieder mit schlechten Nachrichten. Demnach konnten in deren Studie Schüler die Handlung eines Digitalbuchs schlechter erinnern, als die Printversion. Mehr dazu auf lesen.net. Jedenfalls ein bedenkswertes Argument mehr in der internen Diskussion um die Permanent Beta meines Online-Romans Rowland. Und auch eine...

Wir glauben nicht, dass man Komplexität auflösen oder beschwichtigen kann, zähmen vielleicht durch Reduktion, dadurch, dass man Knoten zerhaut. Wir glauben, dass Komplexität lebbar werden muss, denn es wird schwerlich eine Welt geben (wenn wir von Katastrophen verschont sind), die weniger komplex ist als die, in der wir leben. Wir glauben sogar, dass es eine Aufgabe von Literatur, von Kunst ist - man kann auch sagen: von Intellektuellen - aufzuzeigen, wie Komplexität eben nicht erschreckend und gefährdend, sondern im Gegenteil belebend sein kann.
Wahre, wichtige Worte über Literatur von Katharina Hacker in ihrer Keynote-Lecture bei E:PUBLISH in Berlin über Fiktion und die Zukunft des Buches. Und dann vergleiche man mit Jan Eggers' Enthüllung des Geheimnisses von social media ... Also wo ist der Ort für (gedankliche) Komplexität im Netz? Das ist die Frage.

Rowland Permanent Beta

Es ist schon eine Weile her, seit meinem Aufruf zur Public Beta und dem ersten Zwischenbericht. Nun, da sich die Veröffentlichung des Haus der Halluzinationen bei Hablizel in der Pipeline befindet, stellt sich auch manche alte Frage wieder neu. Zeit für eine Art Abschlussbericht. Um es kurz zu machen: Die Idee, den Rowland quasi zum öffentlichen Lektorat zur Verfügung zu stellen, muss als gescheitert angesehen werden. Nichts, worüber...

Und da ist dieses Buch erschienen, das ziemlich Wind gemacht hat vor zwei Jahren von James Wood, Die Kunst des Erzählens oder Schreibens, glaube ich, How Fiction works . Da ist das alles, diese Machartsfragen, wirklich sehr toll nochmal ausgeführt für die amerikanische und englischsprachige Welt. Da gibt es diesen wunderbaren Begriff vom Commercial Realism , in den die narrativen Standards des 19. Jahrhunderts heute übergegangen sind. Und da dachte ich, ja, das ist es doch: diese Kombination aus Tradition und Trash, aufgeladen mit meiner theoretizistischen Idiosynkrasie. Und das war dann auch wieder so eine klassische Pop-Idee, dass man sagt, der Roman soll nicht mit irgendwelchen äußerlichen theaterhaften Gesten experimentell sein, sondern innerlich. Und das Pophafte wäre, nach außen hin ist es super simpel; aber im Inneren, heimlich: formal experimentell. Das geht dann nur furchtbar langsam beim Schreiben. Rainald Goetz im Gespräch Über "Joahnn Holtrop" mit Ijoma Mangold und Moritz von Uslar: Wut ist Energie - ZEIT.DE
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