Endlich spricht es mal jemand aus:
Wer sich mit der Cut-up Technik von Burroughs anfreunden kann, ist der Zukunft des Schreibens und der Kommunikation näher als alle Gralswächter der Theorie je sich wähnten. Siggi Becker: Schwung der Figur im wendenden Punkt

UNformation (Jean-Claude Carrière über Informanten, Wahrheit und Zensur)

Das ist zweifellos eine der bedeutensten Errungenschaften dieser globalisierten Gesellschaft. Eine totale und endgültige Zensur ist jetzt praktisch unvorstellbar. Die einzige Gefahr ist, dass sich die frei zirkulierende Information nicht mehr überprüfen lässt und dass wir eines nicht fernen Tages Informanten werden. Wir sprachen darüber. Informanten, die es gut meinen, mehr oder weniger kompetent, mehr oder weniger parteiisch, die damit gleichzeitig zu Erfindern und Schöpfern von Information würden...

Ein Zitat des Soziologen Dirk Baecker, das ich heute in einem Interview las, beschäftigt mich schon den ganzen Morgen in meinen Überlegungen, wie das Theater noch stärker auf die Netzwerkgesellschaft reagieren und sich zu einem Internetheater wandeln müsste. Leider habe ich gerade keine Zeit, meine Gedanken dazu hier weiter auszuführen. Aber vielleicht mag ja jemand von euch da draußen stellvertrend heftig zustimmen oder widersprechen?
Die Performance greift tiefer und thematisiert die Lage des Individuums am Ende der Buchdruckgesellschaft und im Übergang zur Computergesellschaft. Es macht einen Unterschied, ob ich es mit Individuen zu tun habe, die sich im Umgang mit Büchern zu kritischen, wenn auch immer etwas idealistischen Lesern gebildet haben, oder mit Individuen, die mit ihren Suchmaschinenrecherchen, mit ihren social media accounts und mit ihren Abhängigkeiten von den Algorithmen ihrer Computerprogramme versuchen, ihrer eigenen Nervosität Herr zu werden, und dabei die Nervosität aller steigern. Die Performance ist in meinen Augen der radikale Blick auf das, was vom Menschen bleibt, wenn man ihn nicht aus den Kontexten heraus, in denen er sich bewegt, immer schon zu gut versteht. (...) Künstler notieren das Ende des kritischen Lesers und des authentischen Bürgers und suchen nach Bildern, Gesten und Tonfällen, die den Menschen als Chamäleon in den Netzwerken der Computergesellschaft kennzeichen. Dirk Baecker/Matthias Lilienthal/Tobi Müller: "Hoffnung auf Ereignishaftes in der Erwartungserfüllungsanstalt". In: Import Export. Arbeitsbuch zum HAU Berlin. Berlin: Verlag Theater der Zeit, 2012, S. 15f.

Popeye glänzt

Logisch, dass ich mir die Frankfurter Ausstellung des Pop-Art-Hohepriesters Jeff Koons nicht entgehen lassen konnte. Zumal in der Verbindung mit dem von der Schirn angekündigten Bloggertreffen und Tweetup. Danke Schirn und Liebieghaus, für diese Initiative! Dennoch: sowohl als Verfechter des "Weniger ist mehr" als auch der Koons'schen Logik folgend, werde ich hier keinen Versuch unternehmen, mit einem irgendwie originellen Beitrag dazu zu glänzen. Sondern vielmehr die Blogger-"Werkstatt" sprechen...

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