Von der Vermisstenanzeige der zweiten Kultur – Chronik der Coronatage (30): Dienstag, 05.05.2020

Germanisten oder andere Literaturtheoretiker müssten nun Corona-Narrative untersuchen. Wo sind die Germanisten und Romanistinnen in den Talkshows, die uns erklären, warum in Frankreich eine Kriegsrhetorik funktioniert, während unser Bundespräsident Erfolg damit hat, Emmanuel Macron zu widersprechen und zu betonen, wir befänden uns eben gerade nicht im Krieg? Wo sind sie, wenn die Virologen ihre Zahlen feilbieten? Wo sind sie, wenn die Politiker ihre Massnahmen verkünden?Markus Gabriel in der...

Von der Kontaktarbeit – Chronik der Coronatage (29): Freitag, 01.05.2020

Jetzt fast ne Woche hier zu keinem Eintrag mehr gekommen. Corona und wir – die Beziehung tritt in die Phase, wo Zauber und Glanz der ersten wild-aufregenden Tage mit der neuen Liebe zunehmender Ernüchterung und Gewöhnung, Alltag eben weicht. Hinkt jetzt vielleicht mehrfach, der Vergleich, aber ihr wisst schon. Irgendwie war‘s, als hätten wir katastrophengeil das Ganze auch ein bisschen begrüßt, um uns selbst wieder zu spüren, ohne...

Von den Virusworthülsen (2) – Chronik der Coronatage (27): Mittwoch, 22.04.2020

»The word ist now a Virus«, schrieb einst William S. Burroughs vor knapp 80 Jahren, in Quasi-Vorwegnahme des Internet-Mems. »The flu virus may have once been a healthy lung cell. It is now a parasitic organism that invades and damages the central nervous system. Modern man has lost the option of silence. Try halting sub-vocal speech. Try to achieve even ten seconds of inner silence. You will encounter...

Von Unkultur und Trotzkultur – Chronik der Coronatage (24): Donnerstag, 16.04.2020

Die gestrigen Aussagen zu den ersten Corona-»Lockerungsübungen« belegen leider, auch Dank Leopoldina, dass auch die Sorgen und Nöte, damit zugleich auch die tröstenden, sinnstiftenden, verbindenden Funktionen der Kulturbranche aktuell komplett vom Radar der Relevanz verschwunden sind. Leider macht das Virus nun auch ein Wort Heiner Müllers wahr, der dieses aber als Selbstkritik wie potentielle Streikform verstanden wissen wollte: EINZIGE MÖGLICHKEIT HERAUSZUFINDEN WAS EINE ANTWORT SEIN KÖNNTE DARAUF ALLE...

Vom Mit-Kindern-Sein – Chronik der Coronatage (23): Mittwoch, 15.04.2020

Alles, was ich heute mir zu schreiben vornahm, haben bereits andere geschrieben. Sowieso der Hinweis der taz: Es gebe inzwischen zu viele überflüssige Corona-Tagebücher. Ich stellte ich mir schon am 24.03. die selbstkritische Frage. Ob die dort gefundenen Antworten überzeugen – insbesondere jene, die behauptet, es sei weniger für’s Jetzt, denn mehr für meine Kinder später einmal zum Nachlesen? Statt weiterer Über-Selbst-Produktion daher heute schlicht zwei quasi komplizenhafte...

Back to Top