Von den Virusworthülsen (2) – Chronik der Coronatage (27): Mittwoch, 22.04.2020

»The word ist now a Virus«, schrieb einst William S. Burroughs vor knapp 80 Jahren, in Quasi-Vorwegnahme des Internet-Mems. »The flu virus may have once been a healthy lung cell. It is now a parasitic organism that invades and damages the central nervous system. Modern man has lost the option of silence. Try halting sub-vocal speech. Try to achieve even ten seconds of inner silence. You will encounter...

Von Unkultur und Trotzkultur – Chronik der Coronatage (24): Donnerstag, 16.04.2020

Die gestrigen Aussagen zu den ersten Corona-»Lockerungsübungen« belegen leider, auch Dank Leopoldina, dass auch die Sorgen und Nöte, damit zugleich auch die tröstenden, sinnstiftenden, verbindenden Funktionen der Kulturbranche aktuell komplett vom Radar der Relevanz verschwunden sind. Leider macht das Virus nun auch ein Wort Heiner Müllers wahr, der dieses aber als Selbstkritik wie potentielle Streikform verstanden wissen wollte: EINZIGE MÖGLICHKEIT HERAUSZUFINDEN WAS EINE ANTWORT SEIN KÖNNTE DARAUF ALLE...

Vom Mit-Kindern-Sein – Chronik der Coronatage (23): Mittwoch, 15.04.2020

Alles, was ich heute mir zu schreiben vornahm, haben bereits andere geschrieben. Sowieso der Hinweis der taz: Es gebe inzwischen zu viele überflüssige Corona-Tagebücher. Ich stellte ich mir schon am 24.03. die selbstkritische Frage. Ob die dort gefundenen Antworten überzeugen – insbesondere jene, die behauptet, es sei weniger für’s Jetzt, denn mehr für meine Kinder später einmal zum Nachlesen? Statt weiterer Über-Selbst-Produktion daher heute schlicht zwei quasi komplizenhafte...

Von der Pessachbotschaft der Pandemie – Chronik der Coronatage (22): Sonntag, 12.04.2020

Dass es ausgerechnet eine weltweite Seuche ist, die jetzt einen der größten feuchten Träume des globalisierten Kapitals kompromisslos auslebt: maximal freie Bewegung für Waren bei maximal unfreier Bewegung von Menschen. Wiederauferstehung von Gesellschaft aus der Virusstarre, die mehr als bloße Rückkehr zum status quo ante, wirklich ein Auszug aus dem aktuellen Ägypten wäre: zuvor ein paar Wochen lang kompromisslos den Traum auch des maximalen Gegenteils ausgelebt zu haben.

Vom V wie Vau Weh (3) – Chronik der Coronatage (21): Donnerstag, 09.04.2020

»Spread«, verrät mir die Wikipedia, hat nicht nur eine virologische, sondern auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Dort meint es die »Spanne, Spreizung oder Differenz zwischen zwei vergleichbaren ökonomischen Größen.« Gewinnspannen, Zinsniveauunterschiede, Kreditaufschläge, Renditedifferenzen. Spreads gibt es u.a. auch als Optionsstrategie im Termingeschäft: Hierbei wird auf sich V-förmig ändernde Kurse spekuliert. Man wettet gegen die Zeit entweder auf den Scheitelpunkt oder den Rückkehrpunkt in der V-Kurve. Wer den V-Verlauf korrekt...

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